Tomatenanzucht: Do’s & Don’t’s

Wem trotz, oder vielleicht auch gerade wegen, der derzeitigen Ausnahmesituation nach garteln zumute ist, sollte spätestens jetzt im April so richtig loslegen. Für manche Arten (z.B. Paprika, Chili) ist der Zeitpunkt für die eigene Anzucht leider schon verpasst. Für Tomaten ist der Zeitpunkt aber gerade noch sehr gut. Erde bekommt man auch online, oder im Supermarkt (Bio und torffrei, z.B. von www.vermigrand.at), Sämereien ebenfalls (in toller Bio-Qualität z.B. von www.reinsaat.at).
Und wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, ist die Anzucht von Tomaten eine ziemlich simple und dankbare Angelegenheit.

Do!
Spät starten.
Oder anders herum… nicht zu früh starten. Jetz,t Anfang April, ist ein sehr guter Zeitpunkt, um mit der Anzucht deiner Tomatenpflanzen zu starten. Tomaten (im Gegensatz zu Paprika, Chili, Melanzani und einigen anderen Verwandten aus der gleichen Familie) keimen bei Raumtemperatur innerhalb weniger Tage. Danach wachsen sie bei Lichtmangel lang und dünn in die Höhe, sie vergeilen. Zu Jahresbeginn ist die Menge an Tageslicht noch gar nicht ausreichend, um sie bei bei Raumtemperatur niedrig und kompakt wachsen zu lassen. Kompakte, kräftige Pflanzen sind langfristig aber deutlich gesünder und bringen einen besseren Ertrag.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Temperaturen auch draußen schon wärmer, es gibt genügend Licht, und weil die Pflanzen ohnehin so schnell wachsen, ist es vollkommen ausreichend und oft sogar besser, wenn die Samen erst jetzt in die Erde kommen. Das gibt den Pflanzen noch 6-7 Wochen, bevor sie Mitte Mai nach draußen gepflanzt werden. Eventuelle Größenunterschiede zu früher gezogenen Pflanzen holen sie dort innerhalb kürzester Zeit wieder auf.

Do!
Pikieren.
Manche Arten vertragen es gar nicht gut, nach der Keimung noch umgepflanzt zu werden, und sollten deshalb lieber an Ort und Stelle gesät werden. Andere Arten brauchen das sogar. Tomaten gehören zu Letzteren. Wenn sich nach den Keimblättern das erste richtige Blattpaar zeigt, ist der richtige Zeitpunkt.
Beim Pikieren pflanzt du die Sämlinge einzeln in Töpfe und setzt sie dabei ein gutes Stück tiefer ein als sie vorher im Anzuchtgefäß standen. So, dass die Keimblätter gerade noch aus der Erde herausschauen. Entlang des Teils des Stengels, der dann unter der Erde liegt, bilden sich überall neue Wurzeln. Das hilft der Pflanze, mehr Nährstoffe und Wasser aufzunehmen, und trägt außerdem zur Stabilität bei.

Do!
Pflanzen abhärten.
Jungpflanzen, die die ersten Wochen ihres Lebens ausschließlich drinnen verbracht haben, sind weder UV-Strahlung, noch Wind, Regen, oder sonstige Umwelteinflüsse gewohnt. Daher: gewöhne deine mühsam aufgezogenen Pflänzchen langsam daran. Stelle sie an warmen Tagen immer wieder für ein paar Stunden nach draußen windgeschützt in den Halbschatten – so bekommen sie ein paar Sonnenstrahlen ab, verbrennen aber nicht gleich. Nach einiger Zeit können sie dann auch schonmal in der Sonne stehen, oder etwas Wind zu spüren bekommen.
Wenn du die Pflanzen langsam abgehärtest, sind sie zum Zeitpunkt der Auspflanzung viel besser auf das Wetter draußen vorbereitet und können sich viel schneller an die dauerhaft neue Umgebung gewöhnen.

Don’t!
Spätfröste unterschätzen.
Kurz und knapp: die klassische Regel, kälteempfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen (dieses Jahr: 11.-15. Mai 2020) nach draußen zu pflanzen, hat nach wie vor seine absolute Berechtigung.
Auch wenn das teils schon sehr warme Frühlingswetter im April sehr verlockend ist, auf dem Balkon und im Garten endlich etwas weiterzubringen, und deine Pflanzen ja auch schon so groß sind und drinnen so viel Platz wegnehmen… warte unbedingt bis Mitte Mai, bis du die kälteempfindlichen Pflanzen nach draußen pflanzt. Bis dahin bieten sich die warme Tage bestens an, um die Pflanzen abzuhärten und an die Sonne zu gewöhnen, in den (kühleren) Nächten gehören sie aber unbedingt wieder nach drinnen.
Wer einmal die schmerzliche Erfahrung gemacht hat, dass alle mühsam selbstgezogenen Pflanzen in nur einer einzigen kühlen Nacht, in der die Temperaturen nicht mal ganz unter Null gefallen sind, erforen sind, wird sich hüten, frostempfindliche Pflanzen schon im April nach draußen zu pflanzen.

Don’t!
(Zu) Viel gießen.
Klar ist: damit die Samen zügig keimen, solltest du die Erde nicht (längere Zeit) austrocknen lassen, sondern konstant feucht (aber nicht nass!) halten.
Sobald die Pflänzchen aus der Erde schauen gilt aber: weniger ist mehr. Nach wie vor sollten die Pflanzen nicht komplett austrocknen, genauso schädlich ist aber ein Zuviel an Wasser – denn das begünstigt Schimmelbildung oder das Abfaulen der Wurzeln. Außerdem regt mäßiges Gießen die Wurzelbildung an, was wiederum die Stabilität und die Nährstoff- und Wasseraufnahmefähigkeit der Pflanze fördert. Wenn die Pflanze schon ein paar Blattpaare hat, kann die Erde im Topf vor der nächsten Wassergabe durchaus auch mal (fast) komplett getrocknet sein.
Was für die Jungpflanzen im Topf gilt, gilt für die Pflanzen im Freiland dann übrigens genauso: Tomaten kommen auch bei größerer Hitze mal einen oder sogar mehrere Tag ohne zusätzliche Wassergaben aus. Besser, du gießt in größeren Abständen sehr reichlich und schlämmst die Pflanzen richtig gut ein, als ihnen täglich ein paar Tröpfchen zu geben. Und: gezielt gießen! Dort, wo das Wasser hin soll, d.h. auf die Wurzeln. Damit die Pflanzen das Wasser auch wirklich aufnehmen können, muss die Erde locker sein, darum das regelmäßige Auflockern der Erde rund um die Pflanze auf keinen Fall vergessen.

Und wem das alles zu viel Aufwand ist… ?
Tja, der/die hätte normalerweise zahlreiche Gelegenheiten, vorgezogene Pflanzen zu kaufen – Corona-bedingt ist aktuell alles ein bisschen anders als in anderen Jahren.
Schaut euch trotzdem mal bei Gärtnereien in eurer Umgebung um, die normalerweise Pflanzen verkaufen würden. Viele bieten kontaktlose Liefer- oder Abholoptionen an. Auch die Betreiber/innen verschiedener Selbsternte-Parzellen in und um Wien haben wie jedes Jahr mit der Pflanzenanzucht begonnen und werden ihre Pflanzen verkaufen müssen.

Für Wien bzw. den Bezirk Mödling möchte ich euch noch meinen persönlichen Geheimtip verraten. Die Pflanzen von Renate Weber (www.natuerlichwild.at) kann ich aus wärmstens und aus Überzeugung empfehlen – sie arbeitet ausschließlich bio und steckt viel Liebe und Herzblut in ihr Unternehmen und die Aufzucht ihrer Pflänzchen. Eigentlich immer, aber besonders in der aktuellen Situation, absolut unterstützenswert. Genauere Infos zur Sortenliste und zum Liefer- oder Abholmodus (sollte ein direkter Verkauf nicht möglich sein) wird es demnächst hier auf der Webseite geben.

Wer im Osten von Wien oder östlich von Wien wohnt, mag sich vielleicht mal die Sortenliste von Biogemüse Hopf anschauen – die Jungpflanzen hatte ich persönlich noch nie, die Gemüsekiste hat mich bisher aber immer überzeugt und auch da gilt: ein kleiner Familienbetrieb, der viel Herzblut in die Produktion steckt, verdient unsere Unterstützung!

Last but not least bieten auch Supermärkte und Discounter jetzt im Frühling immer wieder Jungpflanzen an. Ich persönlich bin großer Fan der Zurück-zum-Ursprung-Pflanzen, die Hofer anbietet. Damit war ich bisher auch immer mehr als zufrieden.

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